Historisches zu den Heidenturmkirchen
Die Entstehung der Heidentürme - ein bauhistorischer Krimi
Auch wenn die Turmbekrönungen der Kirchen in Alsheim und Dittelsheim in der Datierung noch nicht abschließend eingeordnet ist, geht man zwischenzeitlich davon aus, dass sie zwischen 1100 und 1110 entstanden, somit in der Zeit des Ersten Kreuzzugs. Zu ihrer Geschichte gibt es zwei Deutungen:
Wormser Bautradition
Jüngste Bauforschungen legen den Schluss nahe, dass es sich bei den Turmbekrönungen um eine Bautradition handelt, die im Wormser Raum heimisch war. "Hier spielen wohl heimische Bautraditionen und die Zugehörigkeit zur Wormser Bauschule, d.h. die Ausführung durch in Worms geschulte Bauleute, ...eine Rolle."
(Sebald, Eduard: "Spuren der Kreuzzüge in Rheinhessen? Bemerkungen zu den sog. Heidentürmen". in: Mainzer Zeitschrift (Mittelrheinisches Jahrbuch für Archäologie, Kunst und Geschichte), Jahrgang 105/2010)
Türme als "Siegesbotschaften"
Sie könnten aber auch baukünstlerisch umgesetzte „Siegesbotschaften“ sein, die von rückkehrenden Bauleuten nach dem Ersten Kreuzzug geschaffen wurden. Damit wären sie als "Denkmäler des Triumphs" zum Andenken an die „Befreiung“ des Heiligen Landes errichtet wurden.
„Die Sehnsucht nach dem Heiligen Land blieb auch nach dem Ersten Kreuzzug lebendig… Doch nur die wenigsten konnten sich Pilgerreisen leisten. So erscheinen die hoch auf den rheinhessischen Türmen errichteten Kuppelbauten gleich einer Vision von der Heiligen Stadt.“
(Kotzur, Hans-Jürgen: „Denkmäler des Triumphs“ in „Kein Krieg ist heilig. Die Kreuzzüge“, Ausstellungskatalog Mainz 2004, S. 283)
Das Geheimnis der Heidentürme ist noch nicht gelüftet, doch sie spannen den Bogen von den Kreuzzügen bis in die Gegenwart und stehen im dörflichen Kontext der Heidenturmgemeinden zum einen für sehr lebendige und engagierte Kirchengemeinden und gleichzeitig für das Fremde und Außergewöhnliche.